ADFC schlägt Alarm: Zahl der durch LKW getöteten Radfahrer steigt

14.05.2018
Gefährlich: Fußgänger und Radfahrer im toten Winkel eines LKW.

Laut dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) steigt die Zahl der durch LKW getöteten Radfahrer seit Jahren bedenklich an. Allein am letzten Montag (7. Mai) wurden ein junges Mädchen in München sowie eine Frau in Hamburg von einem LKW überrollt und getötet. Deshalb fordert der ADFC Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer dringend auf, »sofort bei der EU-Kommission für die verpflichtende Einführung von elektronischen LKW-Abbiegeassistenten zu intervenieren – und eine Task Force ‚Prävention von Radunfällen durch abbiegende LKW’ ins Leben zu rufen«.

In einem Brief an das Bundesverkehrsministerium (BMVI) fordert der ADFC Minister Scheuer auf, zum besseren Schutz von Radfahrern unverzüglich eine »Task Force« einzurichten. Mit am Tisch sitzen müssten »die Verkehrsministerkonferenz der Länder, die Hersteller von LKW und Nachrüstsätzen, Speditionsverbände, die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV), die Unfallforschung der Versicherer (UDV), die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), Vertreter von Städten und Gemeinden, des ADFC und des BMVI.«
Neben der verpflichtenden Einführung von LKW-Abbiegeassistenten fordert der ADFC, dass alle LKW-Hersteller schnell serienreife Fahrassistenzsysteme zum Schutz von Radfahrern und Fußgängern entwickeln. Gleichzeitig müssen Infrastruktur und Ampelregelungen besser auf die Sicherheit von Radfahrenden abgestimmt werden.
ADFC-Geschäftsführer Burkhard Stork legt vehement nach: »Abbiegende LKW sind eine Todesfalle für Radfahrende! 15 durch LKW getötete Radfahrer müssen wir in den ersten Monaten des Jahres beklagen – davon elf Frauen und Mädchen! Der Verkehr auf unseren Straßen ist für Radfahrende knallhart – so hart, dass oft nur Hochleistungs-Radfahrer eine Chance haben, an Kreuzungen schnell genug weg zu kommen, um nicht von LKW niedergemäht zu werden. Gelegenheitsradler, Senioren und Kinder schaffen das oft nicht! Herr Minister Scheuer, machen Sie den Straßenverkehr sicher für alle - handeln Sie, jetzt!«
Bereits 2012 hatte der ADFC beim Bundesverkehrsministerium einen »Runden Tisch LKW-Abbiegeassistent« initiiert. Die Vorgängerregierung hat Anforderungen und Prüfverfahren entwickeln lassen und hat die Forderung nach verpflichtenden LKW-Abbiegeassistenten bei der EU und der zuständigen UN-Behörde (UNECE) eingebracht. Doch seitdem ist die politische Durchsetzung ins Stocken geraten.
Dabei hat beispielsweise Daimler seit knapp zwei Jahren ein entsprechendes System auf dem Markt. Und Mobileye bietet es auch zur Nachrüstung an. Selbst der Bundesverband Güterkraftverkehr fordert die Pflicht zum Einbau dieser Systeme. Trotzdem kommen LKW-Abbiegeassistenten bisher freiwillig kaum zum Einsatz. Warum? Weil, so der ADFC, »die Speditionen sich das Geld lieber sparen«. Ein Großteil der schweren LKW-Unfälle geht auf das Konto von Kommunalfahrzeugen. O-Ton Stork: »Hier müssen die Kommunen aktiv werden – und ihre eigenen Flotten umrüsten. Der Bund soll mit einem Sofortprogramm die Nachrüstung anschieben.«
Somit fordert der ADFC den Bundesverkehrsminister mit Nachdruck auf, dafür zur sorgen, dass elektronische LKW-Abbiegeassistenten in die neue Verkehrssicherheitsagenda der EU kommen. Die neue »General Safety Regulation« wird von der EU-Kommission übermorgen (16. Mai) vorgestellt. Darin sind allerdings LKW-Fahrassistenzsysteme bisher nicht vorgesehen.

Text: Jo Beckendorff/ADFC, Foto: ADFC/Claudia Thaler

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