Chinas Mietrad-Riesen Mobike und Ofo: Erste Fusionsgespräche?

04.10.2017
Eigenen Angaben zufolge Mietrad-Weltmarktführer: Mobike.

Laut diversen Meldungen aus Asien würden die hinter den zwei größten chinesischen Mietrad-Systemanbietern Mobike und Ofo stehenden Investoren ersten Gespräche über eine mögliche Fusion beider Start-Ups führen.

Die angesprochene Fusion würde Sinn machen. Mit der Erschaffung eines einzelnen dominanten Players in dem derzeit explodierenden Mietrad-System-Geschäft würde man einen derzeit tobenden kostenintensiven Wettbewerb beenden.
Laut oben genannten Meldungen auf zum Beispiel »The Star Online« aus Malaysia würden die hinter den beiden Mietrad-Riesen stehenden Investoren aus der IT-Branche erste Möglichkeiten diskutieren. Ob dieses erste Abtasten allerdings tatsächlich zu einer Fusion führt, ist offen.
Fakt ist: Zusammen werden Mobike und Ofo mittlerweile mit einem Wert von über 4 Milliarden US$ (3,41 Milliarden Euro) taxiert. Beide Unternehmen werden jeweils hauptsächlich von einem Internet-Riesen und dessen Partnern finanziell gestützt.

Mobike = Tencent & Co.
Hinter Mobike steckt Chinas börsennotiertes IT-Unternehmen Tencent Holdings Ltd., das den erst 2015 gegründeten Start-Up Mobike zusammen mit einer Gruppe klangvoller Investoren wie Sequoia Capital, TPG, Hillhouse Capital etc. stemmt. Im Januar 2017 folgte eine exklusive Partnerschaft mit dem taiwanesischen Apple-Produzenten Hon Hai Precision Industry Co., Ltd. - internatonal besser unter dem geläufigeren Namen Foxconn Technology Group bekannt. Über die Höhe dieses »strategischen Investments« seitens Foxconn ist allerdings nichts bekannt.

Ofo = Alibaba & Co.
Hinter Ofo steckt hingegen die ebenfalls börsennotierte Alibaba Group Holding Limited. Sie führt eine Gruppe von Investoren an (u.a. Hony Capital und Citic Private Equity) an. Laut den vorliegenden Berichten sind sowohl Tencent als auch Alibaba bekannt dafür, »zuerst in im Wettbewerb stehende Start-Ups zu investieren – und sie dann zu fusionieren und somit zu einem kostensparenden Marktführer auszubauen«.
So sei das zum Bespiel im Sektor (Auto-)Fahrtenvermittlungs-Dienste praktiziert worden: Erst nachdem chinesische Fahrtendienstleister zu Didi Chuxing fusionierten, konnten sie das Geschäft von US-Fahrtendienstleistungs-Pionier und Mitbewerber Uber Technologies Inc. in China in die Knie zwingen. Letztendlich hat Didi das letztendlich defitiäre China-Geschäft von Uber übernommen.

Nach Fusion die Welt erobern?
Chinas Mietrad-Systemanbieter sehen sich hingegen vor allem im stationslosen Geschäft als globale Pioniere, die auch weltweit schnell expandieren wollen. Einen heimischen Burgfrieden – sprich eine Fusion - vorausgesetzt würden sich massive Kosten sparen lassen. Die könnte man dann viel besser in die Expansion Richtung Amerika, Europa und Teilen Asiens stecken.
Des Weiteren wird der frühe Ofo-Investor Allen Zhu auf dem IT-Webportal Sina.com mit einer Aussage zitiert, die er Ende September auf einer Konferenz geäußert haben soll. Demnach könnten Ofo und Mobike nur profitabel arbeiten, wenn sie sich zusammen tun würden. Erst dann könnte man die Preise erhöhen, die gegenwärtig in China bei 1 Yuan per Stunde (13 Cent) liegen – und oftmals auch noch aus Expansionsgründen mit einer kostenlosen Nutzung locken. Zudem könnte nach einem Zusammenschluss auch die Zahl der Räder reduziert werden, die einigen Städten bereits Kopfzerbrechen verschaffen. Wegen des aktuellen geführten harten Wettbewerbs gibt es nämlich tatsächlich ein Mietrad-Überangebot.

Purer Verdrängungswettbewerb
Die Aussage Zhus macht auch klar, dass das gesamte Mietrad-Systemgeschäft aus China derzeit alleine auf Verdrängung ausgelegt ist. In München – dem Startpunkt von Mietrad-Anbieter Obike aus Singapur – wurde bereits wie im RadMarkt berichtet heftig diskutiert, wie sich dieses Geschäft überhaupt trägt. Während westliche Anbieter wie Call-a-Bike und Nextbike wenigstens noch Fläche für Werbung frei haben, bieten die Billigbikes asiatischer Mietrad-Anbieter noch nicht einmal das.
Die Mutmaßung, dass App-basierte Systemanbieter wie Obike Kundendaten an ihre Investoren aus der IT-Branche weiterreichen, wurde gegenüber dem RadMarkt empört als falsch zurückgewiesen. Bleibt die Frage: Stecken ausschließlich »grüne Gutmenschen« hinter diesen asiatischen Mietrad-Anbietern?

Billig-Mieträder für Produzenten Fluch oder Segen?
Wie auch immer: Letztendlich wird im vorliegenden Bericht darauf hingewiesen, dass die plötzlich auftauchende explodierende Mietrad-Nachfrage einigen Fahrradproduzenten wie Shanghai Phoenix Enterprise Group Co., Zhonglu Co. und den ebenfalls auch in China produzierenden führenden Premiumrad-Produzenten Giant Manufacturing Co. aus Taiwan gut getan hätte. Erst im Mai hat Shanghai Phoenix einen Ofo-Auftrag von mindestens 5 Millionen Einheiten erhalten.
Anmerkung des RadMarkts: Das Mietrad-Geschäft hat zumindest wenig Einfluss auf die jeweiligen Aktienkurse des oben genannten Trios. Das liegt daran, dass die allgemeine Fahrrad-Nachfrage des einstigen »Hoffnungsmarkts China« in der Krise steckt – und auch nicht von der Mietrad-Produktion aufgefangen werden kann. Erstens sind diese China-Mieträder im Vergleich echte Billig-Bikes (ohne Gangschaltung etc.). Zweitens hat Giant in seinem letzten Quartalsbericht die Misere in China auch damit begründet, dass die Fahrrad-Nachfrage auch aufgrund des boomenden Mietrad-Systemgeschäfts kräftig ausgebremst wird. Hier beißt sich die Katze also in den eigenen Schwanz.

Text: Jo Beckendorff, Fotos: 1x Mobike, 1x Jo Beckendorff

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