Geros präsentiert das weltweit leichteste Holz-Rennrad

12.04.2016
Geros Bike

In Zeiten, in denen innovative Alu- und Carbon-Rahmen um die Wette sprinten, fiel ein Produkt auf der Taipei Cycle Show 2016 besonders auf: Ein unter dem Markennamen Geros präsentiertes wunderschönes fahrbares Rennrad aus Holz. Und: »Handmade in New Zealand«!

Holz ist ein wunderbares Material, das auch im Bereich Fahrrad für eine natürliche Prise Schönheit stehen kann. Das beweist auch der hinter dem Geros-Flitzer stehende internationale Branchenveteran German Eslava. In Deutschland ist der Maschinenbau-Diplomingenieur vielleicht einigen unter anderem noch als einstiger Mitinhaber von Votec bekannt.
Nach 25-jähriger Arbeit im Fahrradbereich mit Materialien wie Stahl, Aluminium und Karbon ist Eslava irgendwann beim Design von Rennrädern gelandet. Seit drei Jahren lebt der gebürtige Kolumbianer, der sich selbst nach langen Aufenthalten in Deutschland, Italien und Australien als Weltbürger sieht, in Neuseeland zu Hause.
Dort hat er auch seine Liebe für Holz entdeckt. Es ist aber nicht nur die Schönheit dieses Materials, die ihn fasziniert. »Holz zeichnet sich zusätzlich durch seine natürlichen Biege- und Vibrationsdämpfungs-Eigenschaften aus«, erklärt Eslava. Einziger Nachteil mit Blick auf das Thema Fahrrad: Holz ist schwer. Genau hier setzte der Ingenieur an.
Für Eslava sind »Kompositmaterialien nichts anderes als eine Imitation von Holz. Während Holz aus Fasern besteht, die vom Leim zusammengehalten werden, bestehen Komposite aus Karbon-, Kevlar- oder Glas-Fäden, die durch Epoxide zusammengefügt werden.«
Das von Eslava in Taipeh unter dem eigenen Markennamen Geros vorgestellte Holz-Rennrad bringt es auf das von UCI definierte Minimum-Gesamtgewicht von 6,8 Kilogramm. Um technisch auf dieses Fahrradgewicht zu kommen, hat der Designer einen Rennrad-Rahmen mit einem Gewicht von 1,646 Gramm (Rahmengröße S) auf die Beine gestellt: »Für so einen Holzrahmen sind alleine 120 Minuten CNC Bearbeitung nötig.« Dabei kämen verschiedene Holzteile zum Einsatz, die wie ein Legospiel montiert und bearbeitet würden.
Für die Rahmenherstellung setzt Eslava ausschließlich auf spezifische Hölzer aus Neuseeland. Das eingesetzte Kauri-Holz wurde – da selten geworden - aus recyclten Brettern gewonnen. Bei dieser auch unter dem Namen neuseeländische Kauri-Kiefer genannten Baumart handelt es sich um die größte heimische Baumart, die leider schon sehr früh umfangreich abgeholzt wurde. Dazu gesellt sich das laut Eslava »wegen seiner Antidegradierung« gewählte Totara-Holz. Weitere eingesetzte und für Europäer exotische »Kiwi«-Hölzer sind Matai und Rimu.
Die technische Entwicklung lief unter Zuhilfenahme modernster Computertechnologie. Gezeichnet wurde in 3D auf Solid-Works. Das Design wurde entsprechend auf die CNC-Maschine übertragen: »Die interne Bearbeitung des Rahmens sowie neue Klebeverfahren mussten neu entwickelt werden. Schließlich werden dünnwandige Hölzer durch kurzzeitige Temperaturänderungen und mechanische Ansprüche vor ungewöhnliche Belastungen gestellt.«
Spezifische Belastungsstellen wurden - sowohl intern als extern (beispielweise bei der hinteren Bremse und bei den Ausfallenden) - mit Karbonfasern und Epoxid verstärkt. Die Brems- und Schaltkabel sind im Rahmen verlegt. Dieser ist sowohl Shimano Di2- als auch SRAM eTap kompatibel.
Bevor so ein fahrbarer Geros-Renner aus Holz komplett steht, muss trotz Einsatzes modernster Maschinen sehr viel Handarbeit geleistet werden. Das hat natürlich auch seinen Preis. O-Ton Eslava: »Ein Fahrradrahmen aus Kauri- oder Totara-Holz mit Karbon-Gabel, Steuerkopfsatz und Sattelhalterung kostet 7.950 US$ (ca. 7.100 Euro). Mit 6.950 US$ (ca. 6.200 Euro) liegt ein Komplettrenner aus Matai- oder Rimu-Holz etwas darunter.« Die genannten Preise sind jeweils ab Neuseeland (und ohne MwSt).
Dazu noch einmal German Eslava: »Der Preis mag einigen hoch erscheinen. Wenn Sie aber einen renommierten Karbon- mit unserem Holzrahmen vergleichen, kostet der nicht weniger.« Des Weiteren erhält man beim Kauf eines Geros-Rads einen fahrbaren limitierten Kunstgegenstand. Limitiert deshalb, weil die Jahresproduktion bei gerade einmal 25 bis 50 Stück liegt.
Mehr Info unter www.geros-bike.com oder e-mail german@cab-bike.com

Text: Jo Beckendorff, Fotos: Geros


 

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