Karstadt-Eigentümer Signa legt erneut Offerte für Galeria Kaufhof vor

15.11.2017
Bald auch unter Signa-Führung? Galeria Kaufhof in Köln

Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters hat Karstadt-Eigentümer Signa Holding GmbH erneut ein Angebot für die Warenhaus-Kette Galeria Kaufhof GmbH abgegeben. Der hinter Signa stehende österreichische Investor René Benko hat schon öfter sein Interesse bekundet, in Deutschland mit Karstadt und Kaufhof die alte Idee einer nationalen Warenhaus AG wiederzubeleben.

Das Geschäft von Signa Holding gliedert sich in die Immobiliensparte Signa Real Estate und die Handelsparte Signa Retail. Zwei der insgesamt vier unter Signa Retail laufenden Bereiche sind Signa Department Store Group (lenkt die Karstadt-Warenhäuser) und Signa Sports Group (lenkt neben Karstadt Sports unter anderem auch den Fahrrad- und Outdoor-E-Commerce-Anbieter Internetstores GmbH sowie den französischen Online-Fahrradhändler Probikeshop).
Das jetzt vorliegende Signa-Angebot an Kaufhof-Mutter Hudson’s Bay Company (HBC) soll bei 3 Milliarden Euro liegen. Ende September 2015 hatten die Kanadier Galeria Kaufhof für 2,5 Milliarden Euro von der Metro Group übernommen. Mit dieser Kaufsumme hatten sie damals den ebenfalls interessierten Karstadt-Eigentümer Signa ausgestochen.
Das nun vorliegende 3 Milliarden-Angebot seitens Signa ist HBC zufolge allerdings »unvollständig und unverbindlich«, heißt es in vorliegender Reuters-Meldung. Man werde die Offerte »pflichtgemäß in angemessener Zeit prüfen«, ist aus der kanadischen HBC-Zentrale kurz und knapp zu erfahren. Genauer gesagt: Eine aussagekräftige Antwort wird nicht vor Mitte November erwartet.
Zudem hatte HBC im Rahmen der Kaufhof-Übernahme ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, das die Warenhaus-Immobilien lenkt. An diesem Joint-Venture ist HBC mit 63 Prozent der Mehrheitseigner. Die restlichen Anteile liegen bei Investoren wie dem Shoppingcenter-Betreiber Simon Property. Insidern zufolge bewertet die Signa-Offerte die Kaufhof-Immobilien mit 2,63 Milliarden Euro.
Reuters will über »mit der Sache vertraute Personen« erfahren haben, dass das vorgelegte 3 Milliarden Euro-Angebot aus Signa-Sicht durchfinanziert sei und auch sämtliche Schulden umfasse.
Fakt ist: Schon seit längerem kämpft Kaufhof mit Umsatzrückgängen und Verlusten. Bisherige Umstrukturierungs-Maßnahmen liefen ins Leere. Auch wenn die börsennotierte HBC bisher immer betont hat, kein Interesse und Pläne für den Verkauf von HBC-Europe (alias Kaufhof) zu haben: Der Druck steigt. Die Aktionäre werden mit Blick auf die roten Zahlen, die nicht nur HBC-Europe, sondern auch HBC derzeit selbst schlucken muss, zunehmend ungeduldiger. Online-Großanbieter wie Amazon & Co. sitzen der traditionellen Handelskette aus Kanada im Nacken.
Kaum war die Reuters-Meldung draußen, meldeten sich in Deutschland auch gleich mehrere warnende Stimmen zu Wort. Unter anderem dabei: Der Städte- und Gemeindebund. Demnach sei so eine Mammut-Fusion eine Riesengefahr. Dabei geht es nicht nur darum, dass »ein großer Brocken aus dem Mosaik des Innenstadtbild heraus bricht« (O-Ton Städtebau-Experte Norbert Protz gegenüber der »Welt am Sonntag«), sondern auch um die düstere Experten-Prognose, dass so eine Großfusion zur Schließung jeder zweiten der bundesweit rund 180 Filialen von Karstadt und Kaufhof führen kann.

Text: Jo Beckendorff, Foto: Galeria Kaufhof GmbH

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