Live Cycle: Junger mobiler Fahrradservice schaltet hoch

10.10.2017
Live Cycle-Gründer Bastian Scherbeck (links) und Andi Schmidt

Erstmals so richtig auch außerhalb der Bayernmetropole wahrgenommen wurde der junge mobile Bikeservice-Anbieter Live Cycle GmbH, als der stationslose Mietrad-Anbieter Obike aus Singapur innerhalb kürzester Zeit 7.000 Leihfahrräder einfach überall in der Stadt abstellte - und sie quasi sich selbst überließ. Dann kam Live Cycle ins Spiel. Dass dieses junge »Premiumservice«-Unternehmen weitaus mehr zu bieten hat als die Wartung, Reparatur und Neuverteilung von Obike und wie man auch dem Fahrrad-Fachhandel in Sachen Fahrrad-Service tatkräftig unter die Arme greifen will, erfuhr der RadMarkt bei einem Besuch in der Live Cycle-Zentrale in München.

Eines ist klar: Erst als geballte Kritik seitens der Stadt und der Bürger über die Fahrrad-Invasion von Obike einsetzte, kam dieser auf die Idee, mit einem externen Dienstleister vor Ort zusammen zu arbeiten. Seitdem startet Live Cycle tägliche Touren durch die Stadt, überprüft die Obike-Flotte auf Schäden und Sicherheit, repariert gegebenenfalls vor Ort - und sammelt in unzulässigen Gebieten der Stadt abgestellte Bikes ein, um sie dort wieder aufzustellen, wo es erlaubt und die Nachfrage groß ist.
Hinter Live Cycle stecken Andreas »Andi« Schmidt und Bastian Scherbeck. Der eine – Andi – ist der Branchenkenner. Detaillierte Berufserfahrungen hat er bei SR Suntour Europe, Hayes Europe, Squadra Mondo in der Schweiz sowie bei Marin-Deutschland sammeln können. Nebenbei studierte er Business Administration. Thema seiner Abschlussarbeit: »Die Neupositionierung einer Marke im Fachhandel«.
Zuvor hatte er aber unter anderem eine Hausarbeit zum Thema Servicestruktur gemacht. Die bekam sein Freund Bastian Scherbeck zu sehen. Scherbeck ist der »Digital-Mann« im Jungunternehmen. Nach Stationen in mehrere Agenturen wollte er irgendwann einmal »was Eigenes machen«. Als er sich mit Andi über das Thema Fahrradservice unterhielt, klingelte es.
Gemeinsam erstellte man ein Konzept, holte mit Claudia Rier einen »Head of Cycle Artist« an Bord, die alles (und vor allem die Mitarbeiter, die »Artists«) koordiniert – und suchte einen Investor. Den fand man in Peter Pawlitzek – laut Scherbeck »ein Mann aus der Telekommunikations-Welt, der einmal den größten O2-Partnershop-Betreiber Co-Trade GmbH mit 60 Shops mit lenkte und mit einem großen Fahrradherz ausgestattet ist«.
In München startete man dann bereits im Juli/August 2016 durch. Über einen der ersten Kunden – den vor allem für Amazon arbeitenden Paketzusteller Interkep – war man dann auch schnell in Berlin vor Ort. »Interkep hat eine Lastenrad-Flotte von 12 Einheiten in München und fünf in Berlin. Die wollten gerne, dass wir das dort auch machen«, schaut Andi Schmidt zurück.
Dann kamen aber auch schon recht zügig andere Münchener Unternehmen mit ihren zweirädrigen Fuhrparks auf Live Cycle zu. So werden mittlerweile auch acht UPS-E-Lastenräder von dem jungen Dienstleister gewartet. Dann gesellte sich die Werks-Fahrradflotte von MTU Aero Engines hinzu. Das sind insgesamt 1.000 Fahrräder. Es folgten Kontakte mit Online-Verkäufern wie Fahrrad.de und Hollandrad.de in Kontakt.
Mehr Details zum Fahrradservice für Online-Käufer, wie sich Live Cycle auch Kooperationen mit dem stationären Fahrrad-Fachhandel vorstellen kann (und in Berlin auch schon praktiziert) und welche Rolle das Thema E-Bike bei dem Newcomer einnimmt in einer der kommenden RadMarkt-Ausgaben.

Text/Fotos: Jo Beckendorff

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