Sehenswerter TV-Beitrag: Protektionismus auch am Beispiel Fahrrad

28.03.2018
Spricht Tacheles: MCG-Geschäftsführer Wolfgang Renner.

Vorgestern (26. März) lief abends ein interessanter Wirtschaftsbeitrag in der ARD, in dem der für seine kritischen Berichte bekannte SWR-Autor Tilmann Achtnich (www1.wdr.de/fernsehen/die-story/ueberunsAchtnich100.html) aufzeigt, dass eine schrankenlose Wirtschaft nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer produziert. Dabei ist unter anderem auch die Fahrradbranche und die protektionistischen Maßnahmen der EU gegenüber der Billigkonkurrenz aus China ein Thema. Titel des Beitrags, den man sich noch bis zum 2. April hier aufrufen kann: »Spiel ohne Grenzen – Die Lüge vom freien Handel«.

Am Ende des Beitrags heißt es: »Der globale Warenaustausch ist auch immer ein Kampf um Wohlstand, der Gewinner und Verlierer produziert. Wirklich freien Handel hat es nie gegeben und wird es auch in Zukunft nicht geben.«
Was Protektionismus bewirken kann, wird unter anderem am Beispiel der Fahrradbranche erklärt. Hier kommt Branchen-Urgestein und Merida & Centurion Germany GmbH (MCG)-Geschäftsführer Wolfgang Renner zu Wort. Nachdem er dem Autoren erklärt, dass ein Großteil seiner eingesetzten Rahmen aus China kommt, in Taiwan veredelt und in Deutschland endmontiert werden, meint er: »Protektionismus muss halt manchmal sein. Ohne das kommt man oft nicht aus. Der Sinn ist es, dass die Wirtschaft faire Bedingungen hat. Wir sehen das in teilweise anderen Bereichen, wo Staaten subventionieren und dann viele andere Hersteller dann keine Chance mehr haben und der Markt verzerrt wird.« Es ginge also um Arbeitsplätze – »und Fairness«.
Wie es ohne protektionistischen Strafzoll, mit der die EU die Komplettrad-Konkurrenz aus China draußen hält, aussieht, erklärt der Beitrag am Beispiel des U.S.-Markts. Dort hat die Billigkonkurrenz aus China dazu geführt, dass die großen U.S.-Marken nicht mehr in der Heimat produzieren, sondern in China produzieren lassen. Anders als die europäische Fahrradindustrie ist die in den USA quasi nicht mehr existent.
Der Beitrag geht aber auch auf Tricksereien ein, mit denen die Chinesen versuchen, den Strafzoll zu umgehen (nämlich mittels Satellitenproduktion in anderen Ländern).
Was im Beitrag aber auch klar wird: Neben China gehört auch Export-Weltmeister Deutschland nicht zu »den Guten« dieser (Handels-)Welt. Unsere Exportprodukte verkaufen sich nicht nur so gut, weil sie spitze sind, sondern weil laut Prof. Heribert Dieter von der Zeppelin Universität Friedrichshafen »die Löhne nur moderat steigen und der schwache Euro die Produkte verbilligt«.
O-Ton Dieter: »Deutsche Überschüsse heißt Defizite in anderen Ländern und Deutschland erwartet, dass sich der Rest der Welt bei Deutschland verschuldet, kritisiert aber den Rest der Welt gerne dafür, dass sie zu hohe Schulden machen. Das passt also hinten und vorne nicht zusammen.«
Mit Blick auf Protektionismus/Strafzoll auf der einen und Handelsfreiheit auf der anderen Seiten vergibt der RadMarkt diesem Beitrag, in dem auch die Fahrradbranche gut zu Wort kommt, das Prädikat »äußerst sehenswert«.

Text: Jo Beckendorff, Fotos: ARD
 

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