Sram verabschiedet sich aus dem Nabenschaltungs-Geschäft

17.02.2017
 Srams i-3 Freilauf-Groupset

Am 14. Februar gab die Fahrradkomponentengröße Sram in einem Brief an seine OEM-Kunden den baldigen Stopp seiner verbliebenen Getriebenaben-Produktion bekannt. Heißt: Für die Saison 2018 werden keine neue Getriebenaben-Produkte präsentiert. Laut Sram in Deutschland sind alle größeren OEM-Kunden bereits im Vorfeld – also schon frühzeitig und vor dem jetzt heraus geschickten offiziellen Schreiben – über das Aus informiert worden.

Das offizielle Ende der Getriebenaben-Produktion ist auf dem 1. Mai datiert. Dann werden die verbliebenen »internal gear hub“ (IGH)-Plattformen »Automatix«, »I-Motion 3« und »Dual Drive inkl. Pulse System« zu Grabe getragen. Alle anderen Sram IGH-Produkte - »T3«, »P5«, »S7«, »G8«, »I-Motion 9« und »E-Matic« - waren bereits im Vorfeld eingestellt worden.
Mit dem Ende der Nabenschaltungs-Produktion geht auch eine lange Fahrrad-Geschichte von Fichtel & Sachs zu Ende. Erste Nabenschaltungen liefen bereits im Jahr 1907 vom Schweinfurter Band. Von hier aus wurde der weltweite Erfolg der legendären »Torpedo«-Freilaufnabe gesteuert. 1997 kaufte Sram das Fahrradgeschäft von Sachs. Im Jahr 2010 gaben die US-Amerikaner bekannt, die gesamte Getriebenaben-Produktion Schritt für Schritt von Schweinfurt nach Taiwan zu verlegen.
Laut oben genannten Sram-Schreiben an seine OEM-Kunden wird man die Produktion sämtlicher Naben, Schalter und sonstiger Ersatzteile beenden. Das Geschäft sei auf ein Level abgesackt, das eine nachhaltige Produktion für Schlüssellieferanten leider nicht mehr gewährleiste. O-Ton Sram: »Bitte platzieren Sie ihre letzte Order so schnell wie möglich und nicht später als den 3. März. Jede einzelne Order wird vom Customer-Service eingehend geprüft – und dann genauestens bestätigt, was davon noch verfügbar ist.« Ersatzteile würde solange angeboten wie der (Lager-)Vorrat reicht. Natürlich würden aktuelle Produkte die gesetzlichen Gewährleistungsrechte beinhalten, heißt es weiter.
Am Ende des vorliegenden OEM-Schreibens bedankt sich Sram »für die Unterstützung unserer historischen Produkte. Wir freuen uns, Sie weiterhin mit unserem bestehenden Produktportfolio inklusive Kettenschaltung, Bremse, Federung und Laufräder bedienen zu dürfen.«
Was steckt genau hinter dem mit Blick auf die Fichtel & Sachs-Geschichte speziell für Deutschland bitteren Aus der einst aus Schweinfurt heraus gestarteten Getriebenaben-Produktion? Laut Branchenkennern hätte diese Produktgruppe vor allem unter dem E-Bike-Boom zu leiden.
Die zuletzt von Sram produzierten IGH-Produkte wurden vor allem an Fahrrädern verbaut, die für einen VK-Preis von 700 bis 1.000 Euro angeboten werden. Heute würden viele Konsumenten aber lieber noch etwas drauf legen - und sich dann ein E-Bike leisten.
Damit einhergehend: Stramme Preiserosionen bei der klassischen Dreigang-Nabe. Die wird bereits an Fahrrädern montiert, die von branchenfremden Anbietern zu Tiefstpreisen von bis zu 199 Euro angeboten werden. O-Ton eines Branchen-Insiders: »Das ist sicherlich nicht der Weg, den Sram gehen will.«
Laut Auskunft von Sram-Geschäftspartnern will sich das US-Unternehmen zukünftig voll und ganz auf seine innovativen Komponenten konzentrieren. Dabei spielen vor allen die erfolgreiche »E-Tab«-Technologie für Rennräder, die »Eagle«-Technologie für Mountainbikes sowie die »EX1«-Technologie für E-Mountainbikes eine führende Rolle. Diesen drei Technologien würde nach dem Aus der Getriebenaben-Produktion »definitiv mehr Beachtung und Raum eingeräumt«.

Text: Jo Beckendorff, Foto: Sram

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