Accell 2021: bessere Preisgestaltung polstert Volumen-Rückgang

07.03.2022
Accell Group 2021: bessere Preisgestaltung polstert Volumen-Rückgang.

Sind dies vielleicht die letzten öffentlichen Geschäftszahlen, die der noch börsennotierte Fahrrad-Anbieter Accell Group N.V. herausgibt? Wie bereits berichtet hat ein von der US-amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. Inc. (KKR) angeführtes Finanzkonsortium Europas führenden Premium-Fahrradanbieter und seinen Aktionären ein Angebot zur Übernahme aller ausgegebenen und ausstehenden Stammaktien mit der Intention vorgelegt, den Fahrradanbieter künftig wieder – Stichwort »going-private« - in eine privat geführte Gesellschaft umzuwandeln. Hier also ein Blick auf die von Accell Group eventuell letztmals veröffentlichten Zahlendetails (diesmal das Geschäftsjahr 2021 betreffend).

Der von Accell Group eingefahrene Nettoumsatz 2021 lag mit 1,38 Milliarden Euro und im Vergleich zum Vorjahr mit 6,2 Prozent im Plus – und das »trotz anhaltender Komponentenknappheit«. Das Wachstum wurde durch höhere Umsätze bei Teilen und Zubehör (allerdings hauptsächlich volumenbedingt) und höhere Fahrradumsätze dank verbesserter Preisgestaltung und eines besseren Produktmixes erzielt. So konnte der durch die unterbrochene Lieferkette ausgebremste Volumenrückgang ausgeglichen werden.
Der 2021-er Gesamtumsatz teilt sich geographisch wie folgt auf:
- Benelux: 288,1 Millionen Euro (plus 17,2 Prozent)
- Central (= DACH-Region und Osteuropa): 415,9 Millionen Euro (plus 1,1 Prozent)
- Andere Regionen (= Frankreich, UK, Irland, nordische Länder und andere Regionen): 279,8 Millionen Euro (minus 5 Prozent)
- dazu gesellt sich noch ein 2021er-Umsatz von Accell Parts in Höhe von 393,3 Millionen Euro (plus 14,2 Prozent)
Das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) stieg um 47,3 Prozent auf 110,1 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT erhöhte sich um 33,7 Prozent auf 106,6 Millionen Euro. Der Nettogewinn belief sich auf 70,0 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2020 waren es noch 64,8 Millionen Euro (plus 8,0 Prozent).
…und das meint der Chef
Rückblickend erklärt Accell Group-CEO Ton Anbeek: »Im Jahr 2021 dominierten Unterbrechungen der globalen Lieferkette und Engpässe bei Komponenten. Trotzdem konnten wir ein anhaltendes Umsatz- und Gewinnwachstum verzeichnen, das durch unser Teile- und Zubehörgeschäft und unsere Fähigkeit, inflationäre Auswirkungen der Lieferkosten in unsere Produktpreise einzubeziehen, angetrieben wurde. Um die Unterbrechungen in der Lieferkette zu bewältigen, haben unsere Teams verschiedene Abhilfemaßnahmen ergriffen, vor allem in Bezug auf alternative Komponenten und Beschaffung. Für zahlreiche unserer Fahrräder wurde die Stückliste geändert, um die Störungen abzumildern. Wir haben auch zusätzliche Investitionen in den Lagerbestand getätigt, um Probleme mit der Produktverfügbarkeit auf Kosten des freien Cashflows zu verringern.«
Ausblick
Accell Group geht davon aus, dass die Nachfrage nach Fahrrädern in den kommenden Jahren weiterhin bestehen bleibt. Allerdings ist die Unterbrechung der globalen Lieferkette und die Verknappung von Bauteilen noch lange nicht vorbei. Sie werden voraussichtlich auch im Jahr 2022 ein einschränkender und störender Faktor sein.
Zwar werde die Produktionsleistung in den ersten Monaten des Jahres 2022 über der Run-Rate des ersten Halbjahres 2021 liegen - allerdings unter der höheren Run-Rate des zweiten Halbjahres 2021. Dieser Tatbestand verdeutliche »die anhaltende Volatilität in der Zulieferkette«. Darüber hinaus sehen die Niederländer eine auch vor dem Hintergrund der aktuellen globalen und geopolitischen Unsicherheiten steigende Inflation.
Trotzdem sieht man sich »mit anhaltend starker Nachfrage nach unseren Marken in einem Umfeld mit verschiedenen Unsicherheiten, einschließlich einer potenziellen Verschlechterung der Bedingungen in der Komponentenlieferkette und dem daraus resultierenden Druck auf die Produktionsleistung 2022« mit der diesjährigen Gesamtumsatz-Prognose von 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro auf Kurs.

Text: Jo Beckendorff

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