Accell Group: beste Geschäfte 2021 lassen Go-C-Rückzahlung und mehr zu

13.12.2021
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Mit Blick auf das derzeit bestens laufende Geschäft hat die holländische Accell Group N.V. letzten Freitag (10. Dezember) offiziell bekannt gegeben, ihre in der Corona-Zeit aufgenommene »Go-C«-Fazilität vor Jahresende vollständig zurückzuzahlen. In diesem Zusammenhang haben die Niederländer auch ihren bestehenden revolvierenden Kredit (»Revolving Credit Facility«, kurz RCF) von saisonaler auf ganzjährige Verfügbarkeit umgestellt. Was das genau bedeutet und was die Aktionäre davon haben, erfahren Sie hier.

Bei »Go« (steht für »Garantie Ondernemingsfinanciering« - deutsch: Garantie der Unternehmensfinanzierung) handelt es sich um eine von der niederländischen Regierung erteilte Bürgschaft für die Unternehmensfinanzierung. Bei dieser Art der Finanzierung erhält die Bank eine staatliche Garantie von 50 Prozent für mittlere und große Kredite. Somit verringert die Garantie auch das Risiko für die jeweilige Bank.
Aufgrund der aktuellen Covid-19-Situation legte die Regierung mit »Go-C« eine spezielle Version der Unternehmensfinanzierungs-Garantie vor. Bei dieser Art der Finanzierung erhält die Bank eine staatliche Garantie von 80 oder 90 Prozent für mittlere und große Kredite. Der Prozentsatz der staatlichen Garantie hängt vom Umsatz des jeweiligen Unternehmens ab. Kredite von maximal 150 Millionen Euro werden zum Beispiel bis zu einem Höchstbetrag von 135 Millionen Euro garantiert.
Zurück zur Normalität – inklusive Dividenden-Barausschüttung
Accell Group will jetzt ihre verbliebene Go-C-Fazilität in Höhe von 69 Millionen Euro vor Jahresende 2021 zurückzahlen. Infolge dessen will der Anbieter auch zu den Vereinbarungen aus der Zeit vor der Kreditvergabe zurückkehren – heißt, dass man sich »in Übereinstimmung mit den veränderten saisonalen Mustern auch mit seinem Bankenkonsortium darauf geeinigt hat, die bestehende RCF-Vereinbarung von einer saisonalen auf eine ganzjährige Verfügbarkeit für die verbleibende Laufzeit umzustellen«.
Damit werden bestehende Beschränkungen wie zum Bespiel Dividendenausschüttungen bzw. -zahlungen wieder aufgehoben. Mit anderen Worten: ab 2022 werden Aktionäre auch wieder eine Dividenden-Barausschüttung erhalten.
Wobei sich Accell Group in diesem Zusammenhang weiter vorsichtig ausdrückt: »In Anbetracht der allgemeinen globalen Unsicherheit aufgrund der Pandemie und der Notwendigkeit, in künftiges Wachstum zu investieren, wird Accell bei Barausschüttungen weiterhin eine vorsichtige Haltung einnehmen.«
Was ist überhaupt ein RCF? Im Bankwesen ist das die Bezeichnung eines Kredits, der vom Kreditnehmer bis zur maximalen Höhe einer Kreditlinie innerhalb der Kredit-Laufzeit in wechselnder Höhe wiederholt in Anspruch genommen werden kann – selbst dann, wenn zwischenzeitlich ganze oder teilweise Tilgungen erfolgt sind.
Trotz Teile-Knappheit gute Verkaufszahlen und guter Gewinnzuwachs
Warum strukturieren die Niederländer gerade jetzt ihr Kreditwesen um? Das hängt mit den guten Geschäftszahlen 2021 zusammen. Für Januar bis November 2021 meldet Accell Group ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) in Höhe von 107 Millionen Euro (= 8,3 Prozent des Nettoumsatzes). Im Vergleich zu den ersten elf Monaten des Vorjahres ist das ein Plus von 32,1 Prozent.
Unter Berücksichtigung einer hohen Vergleichsbasis im zweiten Halbjahr 2020 und des anhaltenden Gegenwinds durch die weltweite Verknappung von Bauteilen belief sich der Nettoumsatz im November auf 1,287 Milliarden Euro (plus 4,4 Prozent).
Dazu Accell Group-CEO Ton Anbeek (Bild unten): »In Anbetracht der begrenzten Verfügbarkeit von Bauteilen konnten wir im zweiten Halbjahr 2021 bis November gute Verkaufszahlen und einen anhaltend starken Gewinnzuwachs verzeichnen. Wir haben von unseren verschiedenen Initiativen profitiert, die darauf abzielen, die anhaltenden Auswirkungen der globalen Komponenten-Knappheit abzumildern und die Wertschöpfung wiederherzustellen. Parallel dazu setzten wir unsere Strategie weiter um, mit guten Fortschritten bei unserer digitalen Roadmap über alle Marken und Regionen hinweg und der Markteinführung mehrerer Innovationen in unseren Fahrradmarken-Portfolios. In den vergangenen Monaten haben wir außerdem mehrere neue E-Cargo-Konzepte für unsere Marken Raleigh, Lapierre, Batavus und Winora eingeführt, um unsere führende Position in diesem schnell wachsenden Fahrradsegment weiter zu stärken. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg, unsere Ziele für 2022 zu erreichen.«
Lichtblick: asiatische Komponenten-Produktion läuft wieder an
Erfreulich sei, dass die zugrunde liegende Nachfrage in ganz Europa nach Fahrrädern sowie Teilen und Zubehör im zweiten Halbjahr 2021 stark blieb. Wie erwartet setzte sich die insbesondere durch Lieferstopps in bestimmten asiatischen Ländern wie Vietnam verursachte Verknappung von Bauteilen fort. Im Laufe des Septembers und Oktobers haben allerdings wieder mehrere wichtige asiatische Komponentenlieferanten die Produktion wieder aufgenommen. Das Produktionsniveau der eigenen Accell-Produktionsstätten war in den letzten Monaten stabil und lag - wenngleich es immer noch hinter der Marktnachfrage zurückblieb - über dem Niveau des ersten Halbjahres 2021.
Ausblick
»Niedrige Kundenbestände in Verbindung mit günstigen langfristigen Trends wie Elektrifizierung, Investitionen in die Fahrradinfrastruktur, staatliche Steuererleichterungen und Subventionen werden voraussichtlich zu einer anhaltend starken Nachfrage führen«, heißt es aus der Accell-Zentrale in Heerenveen.
Die Auftragsbücher seien gut gefüllt. Allerdings würde die weltweite Verknappung von Komponenten anhalten. Folge: »Die Verkaufszahlen von Fahrrädern sowie von Teilen und Zubehör werden durch Schwankungen bei den Ankunftszeiten bestimmter Komponenten beeinträchtigt.«
Ohne genaue Zahlen zu nennen erwartet Accell Group vor diesem Hintergrund, »dass das EBIT für das Geschäftsjahr 2021 das EBIT für das Geschäftsjahr 2020 deutlich übertreffen wird«.

Text: Jo Beckendorff, Foto: Accell Group

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