Accell Group: Verkaufserholung und weitere Liquiditätsabsicherung

15.06.2020
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Europas führender Premiumrad-Anbieter Accell Group N.V. freut sich über stark angestiegene Fahrrad-Verkäufe im Mai, die auf schwachen Verkäufen in den Corona-bedingten Ladenschließungs-Monaten März und April folgten. Parallel dazu geben die börsennotieren Holländer bekannt, dass man als Vorsichtsmaßnahme eine zusätzliche Kreditfazilität eingerichtet hat. Als Kreditfazilität bzw. Kreditlinie wird im Bankenwesen die betragsmäßige Obergrenze bezeichnet, bis zu der ein Kreditnehmer eine bestimmten Kreditart in Anspruch nehmen darf. Mit der will Accell Group in Zeiten der Unsicherheit und Volatilität einen robusten Zugang zu Liquidität sicherstellen.

Zur aktuellen Lage äußert sich Accell Group-CEO Ton Anbeek wie folgt: »Die starke Erholung der Fahrradverkäufe im Mai ist eindeutig eine sehr positive Entwicklung. Dennoch liegen wir immer noch hinter den Zahlen des letzten Jahres zurück. Die Dauer und die Auswirkungen von Covid-19 bleiben derzeit unvorhersehbar. Wir gehen davon aus, dass unsere Ergebnisse für 2020 durch die anhaltenden Unterbrechungen in der globalen Lieferkette beeinträchtigt werden. Das derzeit unsichere Umfeld verlangt von uns mehr Vorsicht, und deshalb sind wir auch froh, dass wir unseren finanziellen Puffer verbessert haben. Gleichzeitig freuen wir uns darüber, dass so viele europäische Regierungen, Städte und Verbraucher die Fahrradmobilität befürworten - was zu einer strahlenden Zukunft für unsere Marken und unser Geschäft in der Zeit nach dem Covid-19 beiträgt.«
Mai-Verkauf zweistellig rauf, März/April-Verkäufe zweistellig runter
In Zahlen: der Gesamtumsatz der Accell Group in den Monaten März und April 2020 ist aufgrund des Shut-Down und im Vergleich zu März/April 2019 um 27 Prozent nach unten gerutscht. Ende April durften die Einzelhandels-Geschäfte im größten Accell-Markt Deutschland wiedereröffnen. In der zweiten Maiwoche war dann auch eine Mehrheit aller europäischen Fahrradgeschäfte wieder offen. Daraufhin setzte ein Run auf die Fahrrad-Geschäfte ein, der den Holländern ein Mai-Verkaufswachstum (im Vergleich zum Mai 2019) von 23 Prozent in die Kassen spülte. Somit liegt der Nettoumsatz des Jahreszeitraums Januar bis Mai mit Blick auf den vergleichbaren Vorjahreszeitraum nur noch bei Minus 5 Prozent.
Corona-bedingte höhere Kosten
Dazu ist allerdings aus der Accell-Zentrale in Heerenveen zu erfahren, dass - ausgehend von einem niedrigeren 01-05er-Nettoverkaufs-Niveau und mit Blick auf »einige nachteilige Mix-Effekte« sowie höherer Kosten im Zusammenhang mit Corona-bedingten Lieferketten-Unterbrechungen - das EBIT (= Ergebnis vor Zinsen und Steuern - also das operative Ergebnis) Januar bis Mai 2020 mit insgesamt 28 Millionen Euro etwa 40 Prozent unter dem vergleichbaren Vorjahres-Ergebnis liegt.
Produktionskapazität von 30 wieder auf 70 bis 80 Prozent erhöht
Um der derzeit steigenden Nachfrage nach E-Bikes, E-MTBs und E-Cargobikes gerecht zu werden, hat Accell Group die Produktionskapazität von 30 Prozent im März »unter Berücksichtigung des Social Distancing unserer Mitarbeiter in den Produktionsstätten« wieder auf 70 bis 80 Prozent erhöht: »Wir gehen davon aus, dass die durch den Covid-19-Ausbruch verursachten anhaltenden Unterbrechungen der globalen Lieferkette die Produktverfügbarkeit in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 behindern und zu Verzögerungen bei der geplanten Einführung neuer Fahrradmodelle führen werden.«
Finanzielle Absicherung
Zudem habe die Erholung der Fahrradverkäufe im Mai in Verbindung mit den seit Ende März umgesetzten Cash-Management-Maßnahmen zu einer verbesserten Geldfluß geführt. »Da unser Fahrradgeschäft jedoch typischerweise saisonal geprägt ist und um in einem noch immer unvorhersehbaren Umfeld genügend Finanzierungsspielraum für die Zukunft zu gewährleisten, haben wir mit unserem Bankenkonsortium im Rahmen des niederländischen GO-C-Programms eine zusätzliche zweijährige, tilgende Bankfazilität in Höhe von 115 Millionen Euro vereinbart«, heißt es aus Heerenveen. Die Fazilität werde teilweise im Jahr 2020 in Anspruch genommen (60 Millionen Euro). Die restlichen 55 Millionen Euro stehen bis zum 1. April 2021 zur Verfügung. Sie dienen laut Accell Group »hauptsächlich als zusätzlicher finanzieller Puffer für den Fall, dass die Auswirkungen von Covid-19 länger andauern und sich als gravierender erweisen sollten«.
Die Dividendenbeschränkungen gelten so lange, wie die GO-C-Programm gezogen wird. Heißt, dass Accell Group seinen Aktionären im Geschäftsjahr 2020 keine Dividende ausschütten wird.

Text: Jo Beckendorff/Accell Group

 

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