BEVH: E-Commerce wächst auch nach Lockdown spurstabil weiter

08.10.2020
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Laut einer im Auftrag des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (BEVH) durchgeführten (und derzeit noch laufenden) großen Verbraucherstudie hat das überdurchschnittliche E-Commerce-Wachstum in Deutschland auch im dritten Jahresquartal angehalten. Der Online-Handel – derzeit der Motor des Gesamthandels – konnte im dritten Quartal des Corona-Jahres 2020 und mit Blick auf den vergleichbaren Vorjahres-Zeitraum ein zweistelliges Plus in Höhe von 13,3 Prozent einfahren. Womit sich auch zeigt, dass der Trend zum Cocooning in diesen unseren Zeiten selbst nach Wiedereröffnung der Corona-bedingten Ladenschließungen weiter anhält – und somit dem boomenden Onlinegeschäft weiter Rückenwind verschafft.

In der von Beyondata GmbH durchgeführten Verbraucherbefragung »Interaktiver Handel in Deutschland« werden in diesem Jahr von Januar bis Dezember 40.000 Privatpersonen aus Deutschland im Alter ab 14 Jahren zu ihrem Ausgabeverhalten im Online- und Versandhandel und zu ihrem Konsum von digitalen Dienstleistungen (z. B. im Bereich Reisen oder Ticketing) befragt. Das Endergebnis der Studie wird Anfang 2021 nach Abschluss der Umfrage veröffentlicht. Die hier vorgestellten Zahlen basieren auf der Auswertung der Monate Juli bis September 2020.
Demnach erhöhte sich der E-Commerce-Umsatz 2020 seit Jahresbeginn im Vergleich mit den ersten neuen Monaten des Vorjahres um 10,6 Prozent auf 56,03 Milliarden Euro. Aufgrund des vor allem im Bekleidungssektor Corona-bedingten Einbruchs im ersten Quartal liegt das im Jahr 2020 aufgelaufene Wachstum allerdings prozentual noch leicht unter dem Schnitt der Vorjahre.
Online-Handel = 98,4 Prozent vom interaktiven Gesamthandel
Von Juli bis September 2020 verzeichnete die Branche im Online-Handel 19,33 Milliarden Euro (inkl. Umsatzsteuer – zum Vergleich: dritte Quartal 2019: 17,06 Milliarden Euro inkl. USt). Im gesamten interaktiven Handel (= Online- und klassischer Versandhandel) kauften deutsche Verbraucher im dritten Quartal 2020 Waren für 19,65 Milliarden Euro inkl. USt (dritte Quartal 2019: 17,47 Milliarden Euro inkl. USt).
Demnach hat der Onlinehandel inzwischen einen Anteil von 98,4 Prozent am Gesamtumsatz des interaktiven Handels. Die digitalen Dienstleistungen wie elektronische Tickets, Downloads, Hotelbuchungen etc. verloren weiterhin massiv. Sie erreichten mit einem Umsatz von 1,70 Milliarden Euro (inkl. USt.) nur noch ein Drittel des Vorjahreswertes in Höhe von 5,10 Milliarden Euro (inkl. USt).
Online-Boom hält auch nach Ladenöffnungen weiter an
Dazu BEVH-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer: »Obwohl seit Juli alle Läden wieder geöffnet haben, verlassen sich viele Verbraucher weiter auf die belastbaren Lieferstrukturen des Online- und Versandhandels. Im Vergleich der Vertriebskanäle ist erneut sichtbar geworden, dass die reinen Distanzhändler den größten Teil des Marktwachstums im E-Commerce an sich ziehen konnten.«
Online-Advantage Cocooning
Die steigenden Online-Verkäufe weisen auch auf einen Trend hin, der durch Corona noch befeuert wurde - und selbst nach Laden-Wiedereröffnungen weiter wächst: Cocooning. Das bedeutet, dass sich die Menschen in diesen herausfordernden Zeiten vermehrt aus der Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit in das häusliche Privatleben zurückzuziehen. Ihnen kommt die Online-Bestellung aus den eigenen vier Wänden heraus inklusive Frei-Haus Lieferung sehr gelegen.
Täglicher Bedarf und »my home is my castle«
Wie schon im ersten und zweiten Jahresquartal ist das Onlinevolumen des Warengruppen-Clusters »täglicher Bedarf« laut BEVH-Studie um im dritten Quartal um 34 Prozent auf einen Gesamtumsatz von 1,73 Milliarden Euro inkl. USt hochgeschossen. Das Warensegment Lebensmittel erreichte dabei mit 633 Millionen Euro (inkl. USt) im dritten Quartal sogar ein Plus von 52,9 Prozent.
Dazu BEVH: »Das Geld, das nicht in Reisen fließen konnte, investierten die Deutschen auch im dritten Quartal gern in Haus- und Gartenmöbel.« Der Cluster »Einrichtung« legte mit 19,5 Prozent auf 3,2 Millionen Euro weiter zu.
Auch Warencluster »Freizeit« wächst zweistellig
Der Warengruppen-Cluster »Freizeit« - hier packt BEVH die Sektoren Baumärkte (DIY)/Blumen, Spielwaren, Auto/Motorrad/Zubehör, Hobby/Freizeitartikel zusammen – konnte seinen Online-Umsatz im dritten Quartal 2020 und im Vergleich zu den Monaten Juli bis September des Vorjahres um 12,3 Prozent auf nunmehr 2,27 Milliarden Euro steigern.
Onlineshops des stationären Handels hinken hinterher
Interessant ist, dass Onlineshops des stationären Handels leider weniger vom Online-Boom profitieren. Ihr virtuelles Geschäft wuchs nur um einstellige 6,7 Prozent. Insgesamt erzielten sie im dritten Jahresquartal einen (Online-)Gesamtumsatz von 2.69 Milliarden Euro (inkl. USt) – und stehen laut BEVH »für nur knapp 14 Prozent des E-Commerce«.
Online-Marktplätze & Co.
Um etwas mehr als 1,1 Milliarden Euro legten hingegen die Online- Marktplätze auf insgesamt 9,08 Milliarden Euro inkl. USt zu. Gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal ist das ein Plus von 13,9 Prozent.
Prozentual am stärksten konnten erneut die Shops der klassischen Versandhändler wachsen. Sie erreichten 3,50 Milliarden Euro (inkl. USt) – ein Plus von 17,3 Prozent. Mit einem Wachstumssprung um 10,9 Prozent auf 2.96 Milliarden Euro verpassten die reinen Online-Händler im dritten Quartal nur knapp die Grenze von 3 Milliarden Euro - lagen laut BEHV allerdings auch »leicht unter dem Marktwachstum«.
Ausblick
Trotz der Delle im ersten Verkaufsquartal 2020 wird der E-Commerce-Umsatz laut BEVH in diesem Jahr die magische 80 Milliarden Euro-Marke erreichen. Für den Gesamtmarkt des interaktiven Handels mit physischen Gütern rechnet der BEVH mit einem Wachstum von 10 Prozent auf rund 82 Milliarden Euro (brutto).
O-Prognose Christoph Wenk-Fischer: »Je nach Entwicklung der kommenden drei Monate kann der gesamte E-Commerce, inklusive Dienstleistungen, noch die 90 Milliarden Euro-Grenze überspringen. Sobald Reisen und Veranstaltungen wieder online gebucht werden, wird das Marktvolumen des E-Commerce mit Endverbrauchern sicher mehr als 100 Milliarden Euro inkl. Umsatzsteuer erreichen.«
Mehr Info über www.bevh.org.

Text: Jo Beckendorff/BEVH
 

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