Mit dem Fahrrad zur Arbeit?

09.03.2021
Abb. 1: Mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, ist kein neues Konzept. Allerdings erhält das Radeln zur Arbeit durch mehrere Menschen eine neue Dimension. Die Corona-Krise machte das Fahrrad zum beliebten Outdoor-Sportgerät, zudem fürchten viele die Infektionsgefahr im öffentlichen Nahverkehr. Darüber hinaus reagiert die Branche mit einem durchdachten Leasing-Angebot nach dem Dienstwagen-Prinzip.

Sicherlich ist es nicht für jeden eine Option, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Bei Schichtarbeitern sprechen häufig die Arbeitszeiten dagegen, denn morgens um 3 Uhr oder nachts um 23 Uhr möchten sich nur die Wenigsten aufs Fahrrad schwingen. Auch werden diejenigen, die weite Strecken zur Arbeit zurücklegen müssen, eher nicht auf den Komfort verzichten, den das Auto bietet. Dennoch: Immer mehr Menschen wägen zumindest ab, ob das Radfahren zur Arbeit eine Option für sie wäre.

Laut einer Erhebung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur radelten im Jahr 2008 14 Prozent der Befragten zur Arbeit; neun Prozent der Befragten nutzten das Fahrrad sogar dienstlich, um ihren Beruf auszuüben. Im Jahr 2020 war laut Statistischem Bundesamt ein wahrer Fahrrad-Boom zu verzeichnen, der der Branche ein Umsatzplus von März bis April von 12,5 Prozent einbrachte. Sicherlich ist das auf die Corona-Pandemie und den Wunsch zurückzuführen, sich kontaktlos zu bewegen. Denkbar ist es jedoch auch, dass einige privat angeschaffte Fahrräder nun auch für den Weg zur Arbeit genutzt werden könnten. Die Branche reagiert darüber hinaus mit maßgeschneiderten Konzepten.

Das Prinzip JobRad Bikeleasing bringt Fitness und Steuervorteile

Das JobRad Bikeleasing ist eine Antwort der Branche auf die Idee, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Im gemeinsamen Boot sitzen hierbei Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Um zum neuen Fahrrad zu kommen, das zur Arbeit und wieder zurück bringt (und darüber hinaus privat nutzbar ist), kann online aus einer großen Auswahl an Rädern ausgewählt werden – ähnlich wie beim Online-Shopping. Auch Zubehör, wie etwa ein Fahrradschloss, lassen sich dort auswählen. Verbucht wird das Fahrrad ebenso wie ein Dienstauto: Der Arbeitgeber least das Rad. Es kommen ähnliche Steuerfaktoren zum Tragen wie bei einem Dienstauto. Per Gehaltsumwandlung fällt eine Steuer von 0,25 Prozent an. Als Gehaltsextra ist das Rad steuerfrei.
Das ausgewählte Produkte wird als »Angebot« im System gebucht und kann so vom Arbeitgeber genau gutachtet werden. Gibt der Arbeitgeber das »JobRad« frei, macht es sich auf die Reise. Im Store, bei einem Servicepartner oder vor der eigenen Haustür wird das ausgewählte Fahrrad geprüft. Passt alles wie bestellt und erhofft, wird das in der Übernahmebestätigung dokumentiert. Dies ist auch der Startschuss für die Buchhaltungsabteilung des Arbeitsgebers, dass die monatlichen Raten in Form von Leasingraten direkt vom Gehalt abgezogen werden können. Möchte der Arbeitgeber die Kosten für das JobRad komplett übernehmen, entfallen die Abzüge beim Bruttolohn.

E-Bike-Nutzung verändert sich. Die Technik bietet »Unsportlichen« Möglichkeiten

Der Einwand vieler, die nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren möchten, lautet häufig so: Verschwitzt und gestresst in der Arbeit anzukommen, sei keine Option. An dieser Stelle winkt die E-Bike-Branche mit Akku-Unterstützung und offeriert so die Möglichkeit, ohne sportliche Höchstleistung zur Arbeit zu radeln. Die Idee, dass das auch bei Jüngeren ankommt, wird auch von einer E-Bike-Studie aus dem Jahr 2020 gestützt, in der mit dem Vorurteil aufgeräumt wurde, dass E-Bikes etwa für Senioren gemacht wurden.
Der Blick auf die Nutzerstatistik zeichnet nämlich ein anders Bild: Die 30- bis 39-Jährigen sind die größte Gruppe der E-Bike-Nutzer. Hierbei handelt es sich in der Regel um berufstätige Menschen, die täglich zur Arbeit fahren (mit welchem Verkehrsmittel auch immer). Darüber hinaus zeigt die Studie: E-Bikes sind nicht etwa ein Frauenprodukt, denn der Hauptanteil der Käufer ist mit 72 Prozent männlich. Unabhängig davon, wer mit dem E-Bike fährt, bietet die Unterstützung der eigenen Muskelkraft doch diverse Vorteile und lässt so manchen umdenken, der sonst vielleicht mit dem Bus oder dem Auto zur Arbeit gefahren wäre. Die Corona-Pandemie begünstigt diese Entwicklung nachweislich. Einer weiteren Umfrage zufolge wollten 35 Prozent der Befragten Mitte des Jahres 2020 ihr Mobilitätsverhalten überdenken – und mehr radeln. 16 Prozent wollten ihr Auto seltener nutzen; 21 Prozent gaben an, häufiger Auto zu fahren, weil ihnen die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Krisenzeiten zu unsicher erschien.

Die Verkehrsstrategie steht vielerorts auf dem Prüfstand

Was folgt, sind nun Unternehmungen seitens der Politik und der Kommunen, das Radfahren sicherer zu machen, denn die Auszeichnung als radfahrerfreundliche Kommune kommt bei (Neu-)Bürgern und Touristen gleichermaßen gut an. Was passiert, könnte unterschiedlicher nicht sein. Während in einigen (Groß-)Städte sogenannte Pop-Up-Fahrradwege sich auftun, die wie eine Forderung nach mehr sicheren Wegen im Straßenraum stehen, freuten sich große Städte wie Leipzig, Hannover und Bremen bereits im Jahr 2018 über die Auszeichnung als fahrradfreundliche Stadt. In der Kategorie der kleineren Ortschaften landeten Karlsruhe, Freiburg und Münster auf den ersten drei Rängen. Auch Oldenburg, Göttingen und Erlangen konnten sich platzieren.

Abbildung 1: pixabay.com © Free-Photos (CC0 Public Domain)
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Abbildung 3: pixabay.com © Maxfoot (CC0 Public Domain)
 

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