Investoren und Mikromobilität: Spreu trennt sich vom Weizen

08.12.2020
Baut sein Geschäft weiter aus: Voi Technology.

Nachdem E-Step-Scooter-Mietflotten wie Pilze aus dem Boden sprossen und fast schon zum festen Bestandteil der Großstadt-Dschungel zumindest in der sogenannten »ersten Welt« wurden, scheinen sich jetzt im Zuge eines Verdrängungs-Wettbewerbs einige Weichen zu stellen: soeben haben zwei größere Player weitere Investoren auf ihre Seite ziehen können.

Nachdem der 2018 in Berlin gegründete Anbieter Tier Mobility Anfang November den Abschluss einer Finanzierungsrunde der Serie C unter Leitung des Softbank Vision Fund 2 in Höhe von 250 Millionen US$ (206,5 Millionen Euro) bekannt gegeben hatte, legte der ebenfalls 2018 loslegende schwedische Mitbewerber Voi Technology Anfang Dezember nach: unter Leitung von The Raine Group konnten neue Finanzmittel in Höhe von 160 Millionen US$ (132,2 Millionen Euro) eingesammelt werden.
Während sich bei Tier Investoren mit klangvollen Namen wie Mubadala Investment Company, Mubadala Capital, Northzone, Goodwater Capital, White Star Capital, Novator und RTP Global an der von Softbank gelenkten Finanzierungsrunde beteiligten, waren es bei Voi unter anderem VNV Global, Balderton, Creandum, Project A, Inbox und Nordic Ninja. Außerdem dabei: einige auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Investoren wie zum Beispiel Stena Sessan. Mit der erneuten Finanzspritze wollen beide Branchengrößen sowohl ihr Netzwerk in Europa als auch ihre Rentabilität Schritt für Schritt ausbauen.
Anfang des Jahres hatte Tier Mobility die E-Motorroller-Flotte von Coup – einer ebenfalls in Berlin gegründeten Bosch-Tochter mit circa 5.000 E-Motorrollern inklusive Lade-Infrastruktur– geschluckt. Coup hatte sich bereits Ende 2019 vom heiß umkämpften Sharing-Plattform-Markt verabschiedet. Die Berliner sehen sich jetzt mit ihrer rund 60.000 Einheiten E-Step- und E-Motorroller-Flotte in 80 Städten in zehn Ländern als europäischer Marktführer.
Diesen Titel beansprucht auch Mitbewerber Voi für sich. Mit der Öffnung wichtiger neuer Märkte einschließlich Großbritanniens sowie zwei Drittel der Ausschreibungen für Stadtlizenzen, die man in Europa gewonnen habe, sieht man sich mit seiner Mikromobilitäts-Flotte ebenfalls als europäischer Marktführer.
Mit Blick auf den Mikromobilitäts-Mietflotten-Markt spricht Voi-Mitbegründer und CEO Fredrik Hjelm von einem brutalen Verdrängungs-Wettbewerb: in nur zwei Jahren habe sich das Feld in Europa von 20 Anbietern auf rund 5 reduziert - von denen am Ende zwei bis drei Spieler übrig bleiben würden. In diesem Zusammenhang sieht Hjelm sein Unternehmen Voi Technology genauso wie Mitbewerber Tier Mobility als gesetzt.

Text: Jo Beckendorff, Fotos: 1x Voi, 1x Tier

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